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Susanne Maikath, Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V., Fotos: © Susanne Maikath

Letzte Chance auf Sicherheit und Stabilität


CMS Stiftung News · 3. Juni 2026

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt setzt sich für die Rechte geflüchteter Menschen ein. Die CMS-Stiftung unterstützt seine Arbeit in der Härtefallkommission des Landes, wo humanitäre und persönliche Gründe sowie besondere Integrationsleistungen über den Aufenthaltsstatus Geflüchteter entscheiden.

Es gibt diese Fälle, sagt Susanne Maikath, 37, die länger im Gedächtnis bleiben als andere, die einen persönlich berühren und noch intensiver und emotional herausfordernder sind. So ein Fall sei der von Monika Arkania aus Georgien gewesen, die seit drei Jahren mit ihrer Familie in Deutschland lebt.


Susanne Maikath arbeitet seit 2024 festangestellt beim Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt, zuvor hatte sie sich ehrenamtlich dort engagiert und sich für die Rechte und die Verbesserung der Lebenssituation von geflüchteten Menschen eingesetzt. Außerdem vertritt sie den Flüchtlingsrat als Stellvertreterin in der Härtefallkommission des Landes Sachsen-Anhalt. Dieses im Aufenthaltsgesetz vorgesehene Gremium befasst sich seit 2005 mit Einzelfällen von Menschen ohne sicheren Aufenthaltsstatus. Die achtköpfige Kommission, in der neben dem Flüchtlingsrat beispielsweise Vertreter:innen des Sozial- und des Innenministeriums des Landes, des Ökumenezentrums der Evangelischen Kirche und des Caritasverbandes sitzen, prüft, ob dringende humanitäre oder persönliche Gründe vorliegen, die den Verbleib geflüchteter Personen in Deutschland rechtfertigen.

Die Zahl der Menschen, die sich mit der Hoffnung auf einen Härtefallantrag an den Flüchtlingsrat gewandt haben, ist zuletzt enorm gestiegen. Waren es in den Jahren 2023/2024 jeweils um die 15 bis 20 Anfragen, stieg die Zahl der Hilfesuchenden im Jahr 2025 sprunghaft auf 105 an. „Das ist kein statistischer Ausreißer“, sagt Maikath, „das ist ein Hilferuf. Die Verschärfungen im Aufenthaltsrecht und vermehrte Abschiebungen sorgen für große Unsicherheit – und gefährden demokratische Strukturen insgesamt. Mit unserer Arbeit wollen wir einen Beitrag leisten, um Rechte und Beteiligungsmöglichkeiten von Minderheiten zu sichern und die demokratische Stabilität zu stärken.“ Maikath wählt die Fälle aus, die der Härtefallkommission für eine humanitäre Einzelfallprüfung im Aufenthaltsrecht vorgelegt werden sollen. Nur ein kleiner Teil der an den Flüchtlingsrat herangetragenen Fälle erfüllt die hierfür geltenden strengen Anforderungen. Von den 105 Anträgen hat der Flüchtlingsrat zehn bei der Kommission eingereicht, alle wurden positiv beschieden.


„Die Förderung ist wahnsinnig wichtig für uns und für die Menschen, deren Anliegen wir vertreten. Sie macht unsere Arbeit in der Härtefallkommission erst möglich.“

(Susanne Maikath)

Die CMS Stiftung unterstützt diese Arbeit. „Die Förderung ist wahnsinnig wichtig für uns und für die Menschen, deren Anliegen wir vertreten“, sagt Susanne Maikath. „Sie macht unsere Arbeit in der Härtefallkommission erst möglich.“ Bevor der Flüchtlingsrat einen Antrag in die Härtefallkommission einbringt, führt Maikath zahlreiche Gespräche, sammelt Unterlagen, die die besonderen Integrationsleistungen der Antragstellenden belegen. Das können Beurteilungen von Arbeitgebern sein, Schulzeugnisse, Sprachzertifikate oder Bescheinigungen über ehrenamtliches Engagement. „Ich stehe über Wochen, manchmal Monate, mit den Menschen in Kontakt“, sagt Maikath. „Mit der Zeit wächst man ein Stück weit zusammen und ich merke, was das für ein emotional belastender Prozess für die Flüchtlinge ist und wie abhängig sie davon sind, dass ich den Überblick behalte und meine Arbeit gut mache.“

Im April letzten Jahres war es bereits zu einem Abschiebeversuch gekommen. Mitarbeitende der Ausländerbehörde und mehrere Polizeibeamte standen früh morgens vor der Tür der Familie. Sie habe am ganzen Körper gezittert und Panik bekommen, erzählt Monika Arkania. Doch die Familie hatte Glück. Monikas Mann Giorgi war an diesem Morgen nicht zu Hause, da er über mehrere Tage auf einer Baustelle in einer anderen Stadt beschäftigt war. Allein dieser Zufall verhinderte die Abschiebung – und führte dazu, dass sich Monika Arkania an den Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt wandte und auf Susanne Maikath traf.


So wie bei Monika Arkania und ihrer Familie. Denn die Aussicht auf einen positiven Bescheid durch die Härtefallkommission standen nicht besonders gut. Die Familie stammt aus Georgien, einem von Deutschland als sicher eingestuften Herkunftsland, sie lebt noch keine fünf Jahre in Deutschland, was in der Härtefallkommission eigentlich als Mindestaufenthaltsdauer für echte Integration und Verwurzelung gilt, und der Fluchtgrund der Familie hatte weder einen politischen noch einen religiösen Hintergrund. „Es ging um eine sehr gefährliche und belastende familiäre Situation für das Paar und seine Kinder, um Bedrohung und Gewalt im direkten familiären Umfeld“, sagt Maikath. „So eine individuelle Gefährdungslage passt aber nicht in die engen Kategorien des Asylrechts.“

Nach den ersten Gesprächen mit Monika Arkania sei ihr sofort klar gewesen, dass die Familie in sehr kurzer Zeit eine „beeindruckende Integrationsleistung“ vollbracht habe, sagt Maikath. Giorgi Arkania hatte schnell eine Arbeitsstelle bei einer Baufirma gefunden, die Kinder hatten gute Noten und waren beliebt in der Schule, die ganze Familie sprach nach kurzer Zeit hervorragend deutsch, Monika engagierte sich ehrenamtlich in der Kinderbetreuung einer Kirchengemeinde. „Im Asylverfahren spielt das keine Rolle“, sagt Susanne Maikath. „Im Härtefallverfahren aber sehr wohl. Deswegen haben wir entschieden: Wir lassen es auf einen Versuch ankommen.“

Mit Erfolg. Die Härtefallkommission ersuchte das Innenministerium des Landes, gegenüber der zuständigen Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis anzuordnen. Und auch das Innenministerium stimmte zu. „Es bedeutet mir sehr viel, dass ich in Deutschland bleiben darf“, sagt Monika Arkania. „Vor allem gibt es mir Sicherheit und Stabilität für meine Zukunft. Ich kann mein Leben hier planen, eine Ausbildung oder Arbeit aufnehmen und mich weiter integrieren.“


Fotos © Susanne Maikath


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Stefanie Wismeth

 

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